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Sie waren, nach Stanislav Lem, die wohl einflussreichsten Schriftsteller jenseits des Eisernen Vorhangs. Die Brüder Strugatzki. Waren sie in ihrer Anfangszeit mit Werken, wie Atomvulkan Golkonda (1959) noch Vertreter der klassischen von Technologie- und Sozialismusgläubigkeit geprägten Science Fiction der 1950er Jahre, haben sich ihre Themen und ihr Stil schnell emanzipiert. Immer mehr mischten sich kritische Untertöne in ihre Geschichten. Da blieb kaum noch etwas übrig vom idealen sozialistischen Übermenschen, den die Systempropaganda so gerne gesehen hätte.

Schon ihr 1963 erschienener Roman Der ferne Regenbogen, der die Auslöschung eines ganzen Planeten durch ein fehlgeschlagenes Experiment thematisiert, nahm bereits einige Themen vorweg, die die beiden Leningrader immer wieder aufgreifen würden: die Konfrontation des Menschen mit Dingen, die weit über seine Macht und sein Begriffsvermögen hinausgehen und – durchaus wesensverwandt: die zu Sowjetzeiten allgegenwärtige Bedrohung durch den Atomkrieg.

Das Repertoire an übermenschlichem allerdings wurde in den kommenden Jahren immer weiter verfeinert. Es war nicht nur die Technik, oft steht der Mensch selbst und dessen (teilweise gelenkte) Evolution zu Höherem im Mittelpunkt. Der Mensch – so viel kann man durchaus hineininterpretieren – ist bei den Strugatzkis bei weitem nicht die Krone der Schöpfung. Eher ein Zwischenstadium.

Der Heyne Verlag bringt nun eine Gesamtausgabe ihrer Werke heraus. Die Texte wurden dabei in ihrer ursprünglichen Form – also vor der Zensur durch Verlage und Behörden – wieder hergestellt. Wie drastisch, ja regelrecht paranoid die damalige Zensurpraxis war, zeigt sich vielleicht am besten an den 896 Textänderungen („Korrekturen, Streichungen, Einfügungen, Ersetzungen“ – Boris Strugatzki) in ihrem 1969 erschienen Roman Die Bewohnte Insel. Andere Texte, wie Das Experiment (1969 – 75), waren niemals zur Veröffentlichung bestimmt, sondern mussten bis in die späten 80er Jahre ein „Schubladendasein“ an geheim gehaltenen Orten führen.

Wie systemkritisch und wagemutig die Texte der Strugatzkis waren, lässt sich heute vielleicht nur noch erahnen. Was sie jedoch so zeitlos macht ist nicht nur, dass sie grundlegende Fragen der Lebens – auf die es nicht unbedingt eine Antwort gibt – aufwerfen, sondern auch ihre lebendige, gleichzeitig schonungslose Darstellung der menschlichen Natur an sich. Die Menschen im Universum der Strugatzkis sind – trotz der merkwürdigen Umstände, in die sie teilweise hineingeworfen werden – erfrischend normal. Sie trinken, lachen, weinen, vögeln, feiern, sind deprimiert und voller Hoffnungen. Sie scheitern und haben Erfolg, sind moralisch gefestigt und verdorben.. Da gibt es keine leeren Statisten, keine Platzhaltercharaktere. Die Strugatzkis schildern Charaktere aus dem Leben.

Die Bühne für diese Charaktere sind dabei höchst unterschiedlich, aber niemals banal. Da ist die Welt von Picknick am Wegesrand, in der die Menschheit von einer Außerirdischen Zivilisation besucht wurde, die ihnen jedoch nichts zurückgelassen hat, als eine Reihe „Landungszonen“, in denen die Gesetze der Physik auf dem Kopf zu stehen scheinen und aus denen Schatzräuber fremdartige Artefakte stehlen – eine seltsame Mischung aus Tschernobyl und Las Vegas.

Oder die beklemmende Welt von Das Experiment. Eine Stadt hineingezwängt zischen einem bodenlosen Abgrund und einer endlos hohen „gelben Wand“, wo Menschen aus allen Herren Ländern und den verschiedensten Zeiten des 20. Jahrhunderts Teil eines endlosen sozialen Experiments sind. Niemand weiß das Ziel dieses Experiments, noch die Identität der Experimentatoren – es ist nicht einmal gewiss, ob das Experiment nicht schon längst gescheitert ist.

Doch auch klassische Science-Fiction Szenarien bekommen bei den Strugatzkis ihren ganz eigenen Dreh: Die bewohnte Insel, schildert eine zunächst typische Robinson Crusoe-Situation. Der Held ist mit seinem Raumfahrzeug auf einem fremden Planeten gestrandet. Er ist allein und versucht einen Weg nach Hause zu finden. Doch je tiefer er in die Geheimnisse der fremden Welt und seiner Einwohner eintaucht, umso mehr wird er in dessen Geschicke hineingezogen. Der einstmals naive Weltraumforscher wandelt sich zum grimmigen, alles entschlossenen Revolutionär gegen ein Terrorregime.

Gemäß der Weisheit, dass ab einem gewissen Entwicklungsgrad jede Technologie wie Zauberei erscheint, sind auch die Welten der Brüder Strugatzki voller auf dem ersten Blick magischen Elementen. So begeben sich die Schatzsucher in Picknick am Wegesrand auf die Suche nach so geheimnisvollen Gegenständen, die der „goldenen Kugel“, sammeln „Nullen“ und benutzen „ewige Akkumulatoren“ mit teilweise für menschliche Verhältnisse völlig unbegreiflichen Eigenschaften. Dieser Rückgriff auf ein oft urtümliches Vokabular für weit fortgeschrittene Technologie, der ohne die in der Science-Fiction oft obligatorische Erklärungswut mit Quanten- Nano- und sonstiger Technologie auskommt, gibt den Werken der Strugatzkis eine ganz eigene Zeitlosigkeit. So würde jeder Versuch, mit dem Wissen der 1970er Jahre einen hochentwickelten Computer darzustellen heute nur lächerlich wirken, die Technologie der Strugatzkis dagegen bleibt magisch und mysteriös.

Band I der Gesamtausgabe enthält die der Maxim-Kammerer-Trilogie: Die bewohnte Insel, Ein Käfer im Ameisenhaufen und Die Wellen ersticken den Wind und bieten einen guten Einstieg in Werke der Strugatzkis. Sie dokumentiert gleichzeitig auch sehr gut den Entwicklungsprozess der Strugatzkis von ursprünglich Handlungsorientierten Texten hin zu immer tiefer gehenden Themen – wobei man auch der bewohnten Insel keinesfalls den Vorwurf machen kann, es sei ein Action-Roman (auch wenn das die Autoren ursprünglich beabsichtig hatten).

Band II, der ebenfalls schon im Handel erhältlich ist, besteht aus den oben erwähnten Picknick am Wegesrand und Das Experiment, sowie dem Roman Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang.

Band III, der „demnächst“, wie es auf der Verlagshompage heißt, erhältlich sein soll. Beinhaltet Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein, Die dritte Zivilisation und Der Junge aus der Hölle. Teil IV, mit Der Montag fängt am Samstag an, Ein Teufel unter den Menschen und Das Märchen von der Troika ist für den Oktober geplant.

Diese Tage ist mir – beim Platz schaffen für Band 2 der Strugatzki-Neuübersetzungen von Heyne – ein alter Bekannter in die Hände gefallen: Moby Dick. Hübsch aufgemacht mit einer Filmszene aus der 1950er Verfilmung mit Gregory Peck, in der der Wal gerade Ahabs Walfangboot zwischen den Kiefern zermalmt, hat das Buch gleich meine Aufmerksamkeit geweckt. Eine irgendwie passende Situation – es scheint an der Sichtung dieses weißen Biests doch eine gewisse Magie zu stecken. „Wal! Da bläst er!“

Nachdem ich mich erst einmal durch die einleitende Etymologie zum Thema Wal hindurch durchgekämpft habe – eine recht quälende Sache, die aber dennoch irgendwie die passende Stimmung für den Einstieg aufbaut – und mir einen der wohl berühmtesten Anfangssätze der Literaturgeschichte („Nennt mich Ismael.“) auf der geistigen Zunge habe zergehen lassen, war ich auch schon unversehens zu sehr in das Buch involviert, um es so schnell wieder aus der Hand zu legen.

Es ist eine Weile her, seit ich Moby Dick zum ersten Mal gelesen habe und, obwohl ich mich an vieles recht genau erinnere, kommt es mir so vor, als würde ich doch ein komplett anderes Buch lesen. Ja, doch: man verändert sich – und gute Bücher mit einem.

War ich bei ersten Mal noch eher an der „Action“ interessiert („Ja, wann kommt endlich der Wal?“), genieße ich diesmal viel mehr das Kolorit einer längst vergangenen Zeit, stolpere gerne hier und da über Melvilles aufmerksame Gesellschaftskritik und lasse mich diesmal auch von dem – grad aus moderner Sicht – eher gemächlichen Tempo nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Es baut sich Seite für Seite eine dichte, lebendige Atmosphäre auf.

Die Pequod, der uralte, seltsam mit Walbein verzierte Kahn erwacht so regelrecht zum Leben. Seine Besatzung, die Quequegs, Starbucks, Flasks und wie sie alle heißen sind weitaus mehr als nur Platzhalter, um die Handlung voranzutreiben. Im Gegenteil: sie sind präzise Charakterstudien und wirken mit all ihren Eigenheiten glaubhaft und real.

Bedrückend real wirkt besonders der psychotische Käpt’n Ahab. Er wird von Anfang an als menschliches Wesen geschildert. Trotz seines übermenschlichen Hasses, der ihn verzehrt und des Mythos, der sich um die Figur herum aufgebaut hat. Ahab ist der Archetyp des gebrochenen, verwundeten Menschen, der sich rasend vor Zorn den Kräften des Schicksals entgegenwirft und gleichzeitig eine leere Hülle die langsam daran zugrunde geht.

Sein Auftauchen stellt auch einen Wendepunkt im Buch dar. Ist die Perspektive des Ich-Erzählers während seiner Zeit an Land noch relativ unbedarft und naiv-ironisch, so wandelt sich diese mit dem Auslaufen des Walfängers mehr und mehr: Dramatik, Beklemmung und Härte nehmen zu. Teilweise dokumentarische Passagen über den Walfang als solchen, die den Leser immer wieder Luft holen lassen, wechseln mit intensiven kammerspielartigen Szenen. Die Unausweichlichkeit des Schicksals von Schiff und Mannschaft in den Händen ihres wahnsinnigen Kapitäns wird durch die räumliche Enge der „Bühne“ Pequod zur Unausweichlichkeit verdichtet. Eine grandiose Inszenierung.

Melville ist eben nicht der typische Abenteuerschriftsteller, der seine Helden mehr oder weniger linear auf eine vorhersehbare Fahrt schickt und Moby Dick ist auch mehr als nur ein Abenteuerroman. Dort passiert viel mehr: Die Welt, in die uns Melville entführt ist ein intensiver und dichter Mikrokosmos. Ein aufs Existenzielle reduziertes Universum, in dem der Mensch mit all seinen Hoffnungen, Streben, Ängsten und Wünschen den Gesetzen des Kosmos oft schutzlos ausgeliefert ist.

Der Kampf mit dem weißen Wal selbst bildet das Zentrum dieses Mikrokosmos. Er ist das alles beherrschendes Motiv. Lange bevor Ahabs Gegner tatsächlich auftritt, spukt er wie ein Phantom durch die Erzählung und wird dabei ins wahrhaft biblische überhöht. Vom Leviathan ist da oft die Rede, vom apokalyptischen Seeungeheuer und Verkörperung des Teufels selbst. Da treffen (der passenderweise umherwandernde) Ismael und sein heidnischer Freund auf die seltsame Gestalt des Elia, der seinem biblischen Namen gerecht werdend die Rolle des Propheten einnimmt und sie vor ihrem drohenden Unheil, dass sie auf Ahabs Schiff erwartet, zu warnen versucht. Ahab selbst verdankt seinem Namen einem alttestamentarischen Königs, „dessen Blut die Hunde gekostet haben“ sollen. Einer der ersten überlieferten gescheiterten Charaktere der Menschheit? Und natürlich ist es der Wal, der in Pater Maples Predigt Jonas wieder zu Gott führt, nachdem dieser versucht hat, seinem Schöpfer bis ans Ende der Welt zu entfliehen.

Natürlich ist auch der Weg der Pequod und seiner Besatzung vorherbestimmt. So wie der Mensch dem göttlichen Willen nicht entkommen kann, sowenig kann er sich gegen die Natur selbst auflehnen. Ahab scheitert, wie einst Jonas, beim Versuch Gesetze zu brechen, die größer sind, als der Mensch. Sein Untergang ist gleichzeitig der Untergang all jener die Ahab gefolgt sind, die sich von ihm haben mitreißen lassen.

Der berühmte Komponist und Dirigent Leonard Bernstein hat in den 50er Jahren eine Reihe großartiger TV-Beiträge geschaffen, wo er mit Vorurteilen, wie Klassik sei elitär, zu intellektuell und langweilig, auf sehr charmante und auch heute noch lockere und moderne Art aufgeräumt hat. Damals übrigens zur besten Sendezeit.

Es ist wirklich erstaunlich, wie anschaulich und entspannt Bernstein uns diese so vermeintlich komplizierte Materie näher bringt. Ein großartiger, charismatischer Botschafter der Musik.



Die Ereignisse der letzten Tage in Japan übersteigen bisher alles Vorstellbare. Wohl niemand hätte vor einer Woche eine derartige Katastrophe in einem Atomkraftwerk eines der am höchst entwickelten Länder dieser Erde erwartet: In drei Reaktorblöcken sind die Kühlsysteme nahezu vollkommen ausgefallen, Kernschmelzen drohen oder sind bereits im Gang, 200.000 Menschen wurden evakuiert.

Es ist eine Situation, der man bisher nur Ländern mit zweit- bis drittklassigen Sicherheitsstandards zugetraut hatte. Das war zumindest die Illusion die man nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hatte. Nun hat es die drittgrößte Industrienation der Welt erwischt. In Japan herrschen Zustände, wie man dort seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr kannte.

Die Bundeskanzlerin und ihr Vizekanzler waren sichtlich bestürzt angesichts dieser Ereignisse. Sicher auch weil es ihre Regierung war, die vor wenigen Monaten erst eine Verlängerung der Atomkraftwerkelaufzeit um durchschnittliche 12 Jahre beschlossen hatte. Nun haben sie die Laufzeitverlängerung für 3 Monate ausgesetzt. Was das im Klartext heißt, wird sich zeigen. Vielleicht werden die ältesten – und damit auch unsichersten – Reaktoren nun doch abgeschaltet werden. So, wie es im Atomausstieg, den die rot-grüne Bundesregierung ursprünglich beschlossen hatte, festgelegt wurde.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Eine ähnliche Katastrophe, wie sie Japan mit dem Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami heimgesucht hat, ist in Deutschland nicht möglich. Andere Unglücke, wie Flugzeugabstürze oder Terroranschläge lassen sich nicht ausschließen. Auch wenn deren Wahrscheinlichkeit gering ist – die Folgen wären, wie man jetzt in Japan sieht, verheerend.

Ebenso ist menschliches Versagen ein Ausfall der Technik bei den teilweise bis zu 40 Jahre alten Reaktoren sei es durch Korrosion oder schlichtweg Materialermüdung immer wahrscheinlicher. So sorgt derzeit ein mehr als zwei Millimeter breiter Riss in einer Leitung des Primärkreislaufs im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld für heftige Diskussionen. Auch die Kernkraftwerke Biblis und Neckarwestheim stehen wegen ihres Alters und immer wieder auftretender Sicherheitsproblemen in der Kritik.

Atomkraftwerke sind aber auch nahezu unschlagbare Geldmaschinen. Alleine durch die Ende 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung können die Atomkraftwerksbetreiber mit Milliardengewinnen in den nächsten Jahren rechnen – und das bisher ohne ernsthaften Druck, mehr in deren Sicherheit zu investieren. Im Gegenteil: durch den bevorstehenden Ausstieg wurden vielfach notwendige Sicherheitsaufrüstungen schlichtweg ausgelassen.

Japan hat nun der Welt deutlich vor Augen geführt, wie groß die Gefahren von Atomkraft sind. Auch die immer wieder gebrauchte Floskel von Atomkraft als „notwendige Brückentechnologie“ ist nichts weiter, als eine Ausrede für mangelnden Mut und Willen, tatsächlich ein zukunftsfähiges Energiekonzept auszuarbeiten. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat in einem im Januar veröffentlichten Gutachten die Realisierbarkeit einer vollständig aus erneuerbaren Energiequellen stammenden Stromversorgung in Deutschland festgestellt. Und das ohne Laufzeitverlängerung oder den Bau neuer Kohlekraftwerke. Es fehlt offenbar nur an politischem Willen, tatsächlich tiefgreifende Umstrukturierungen der Energieversorgung zu wagen. Es scheint einfacher zu sein, vermeintlich wirtschaftlichen Interessen folgend, den Atomkraftwerksbetreibern klein beizugeben.

Vielleicht bewirkt die Katastrophe in Japan nun endlich ein Umdenken – es wäre höchste Zeit.

Links:

Direktlink zum Gutachten des SRU

Studienarbeit zum Energiekonzept der Bundesregierung

Jetzt hat er es doch getan: Mit reichlich Verspätung und mit wenig Selbsterkenntnis hat Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Rücktritt eingereicht.

Bei seinem letzten Auftritt als Verteidigungsminister ist zu Guttenberg seiner Linie treu geblieben. Erst wurde wieder nur ein kleiner Kreis Journalisten zur Pressekonferenz im Verteidigungsministerium zugelassen, dann wurde – es war beinahe zu erwarten – natürlich ohne Schuldeingeständnis und nahezu selbstkritikfrei eine Erklärung verlesen, deren Quintessenz man in etwa so zusammenfassen könnte: Für seine wissenschaftlichen Verfehlungen hat er durch die Rückgabe seines Doktortitels habe der Freiherr bereits gebüßt, allerdings macht es ihn das mediale Dauerfeuer unmöglich, sein wichtiges Amt als Verteidigungsminister weiter auszuführen. Die bösen Medien wiedermal.

Natürlich: Die Medien brauchen Einschaltquoten, wollen Magazine und Zeitungen verkaufen und nicht zuletzt Klicks generieren. Dazu eignet sich ein schillernder Volksliebling mit Adelstitel mehr, als ein dröger Abgeordneter mit Parteistallgeruch und ohne Charisma.

Allerdings braucht dieses Spiel immer zwei. Ohne einen Strahlemann, der sich bereitwillig und möglichst Öffentlichkeitswirksam vor den Kameras und den Mikrophonen einer ausgesuchten Reporterschar präsentiert, gibt es auch keine Hofberichterstattung.

Nicht zuletzt Guttenbergs Pakt mit dem Springer-Verlag, hat ihm lange Zeit die öffentliche Kritik ferngehalten, die auf wohl jedem anderen in diesem Amt gnadenlos eingeprasselt wäre. Gerade das Springer-Flaggschiff „Bild“ wusste immer wieder mit erstaunlichem Geschick den Verteidigungsminister zu Guttenberg von den Affären in seinem Hause zu trennen.

Nun hat ihn allerdings die Realität eingeholt. Die Plagiatsaffäre konnte er nicht abstreifen, wie so manch andere Skandal vorher. Diesmal gab es keine Untergebenen zum feuern; keine hochrangigen Bauernopfer. Diesmal musste er für seine eigenen Taten gerade stehen.

Wie wenig er die Tragweite seines Plagiats begriffen hat, hat sich deutlich zur Befragung im Bundestag am vergangenem Mittwoch gezeigt. Da waren dreiste Bagatellisierungen zu hören, vorgetragen mit einer selbstgefälligen man-wird-ja-nochmal-Fehler-machen-dürfen-Attitüde, die er mit Sicherheit keinem seiner Untergebenen hätte durchgehen lassen.

Und auch heute, auf seiner letzten Pressekonferenz als Bundesverteidigungsminister war der selbe Geist zu spüren. Das war kein aufrechter Rückzug. Eher ein gekränktes hinschmeißen, nachdem man viel zu lange an seinem Stuhl geklebt hatte. Guttenberg wollte die Sache aussitzen; mit anderen Themen in den Hintergrund drängen. Verantwortungsbewusstsein und Ehrgefühl, für das der ehemalige Verteidigungsminister immer noch für weite Teile der Bevölkerung steht, sehen anders aus.

Doch der Druck hat in den letzten Tagen massiv zugenommen. Die Kanzlerin hatte sich, taktisch klug, schon bei seiner Anhörung vor dem Bundestag nicht mehr öffentlich mit ihm gezeigt, ihm dennoch aus der Ferne volle Unterstützung zugesagt. Eine Unterstützung auf Zeit, wie sich herausgestellt hat.

Alle – teilweise peinlichen – Lippenbekenntnisse, wie zuletzt von dem baden-württembergischen Ministerpräsident, Stefan Mappus, zu hören, haben ihn nicht mehr halten können. Offenbar war der kritische Punkt erreicht, ab dem die Person zu Guttenberg – sei es der plagiierende Doktorand, oder der im hohen Maßen beliebte Verteidigungsminister – der Union mehr Schaden als Nutzen zugefügt hat.

Wohl jeder, mit den Techniken wissenschaftlichen Arbeitens halbwegs vertraut ist, hat sich, nach Karl-Theodor zu Guttenbergs Anhörung vor dem Bundestag am Mittwoch, wohl folgende Frage gestellt – natürlich nur, wenn man ihm abkauft, dass er nicht absichtlich plagiiert hat:

In welchem Zustand geistiger Umnachtung muss man eine solche eigentlich Arbeit angefertigt haben?

Anders, als mit einer schwerwiegenden geistigen Beeinträchtigung (zumindest während des sieben Jahre währenden Entstehungsprozesses, noch dazu in – man beachte den Superlativ – mühevollster Kleinstarbeit) ist es jedenfalls kaum zu erklären, dass man während des Entstehungsprozesses einer Dissertation nicht mehr weiß, was irgendwo abgeschrieben hat und was auf seinem eigenen Mist gewachsen ist.

Angesichts seines Verhaltens am vergangenen Mittwoch ist Herr Guttenberg sich offenbar dieser zeitweiligen Beeinträchtigungen auch bewusst. Schließlich hat er ausdrücklich um weitere Hinweise auf plagiierte Stellen gebeten, was darauf schließen lässt, dass er tatsächlich nicht mehr weiß, was von ihm stammt. Dies lässt natürlich Zweifel an seiner Eignung als Verteidigungsminister aufkommen. Kann es sich ein Land, wie die Bundesrepublik wirklich leisten, einen Verteidigungsminister zu haben, der unter temporären Aussetzern des Urteilsvermögens leidet? Ein Rücktritt wäre wohl das Beste in seinem Fall. Schon allein zur Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Soldaten im Einsatz.

Doch Spaß beiseite: Guttenberg hat kein Kavaliersdelikt begangen und seine Kritiker sind auch keine kleinlichen Fußnotenzähler. Es geht hier um handfeste Verletzungen des Urheberrechts und der wissenschaftlichen Methode, die von der Bundesregierung in beschämender Weise kleingeredet wird. Wenn eine Regierung von sich selbst behauptet, das geistige Eigentum schützen zu wollen, sollte sie auch dazu stehen. Alles andere sind Lippenbekenntnisse.

Der einzige Rohstoff, den unser Land hat, ist der Geist. Die Äußerungen aus dem CDU/CSU-Lager lassen tief blicken, wie es um deren Wertschätzung von Wissenschaft und Bildung bestellt ist, wenn es um sogenannte „Realpolitik“ geht. Sie sind eine Ohrfeige für jeden redlichen Wissenschaftler und Studierenden.

Man versucht im Hause Merkel, sich auf Biegen und Brechen, die kommenden Landtagswahlen im Visier, durch die Affäre zu mogeln. Das Motto auf der Regierungsbank scheint zu sein: Augen zu und durch. Ungeachtet des Schadens, den die Billigung eines derartigen Fehlverhaltens, wie es zu Guttenberg begangen hat, anrichtet. Hier wurde durch offensichtliche Kungelei ein ganzes System in ad absurdum geführt.

Angesichts der peinlichen Selbstverteidigungsversuche, die sich irgendwo zwischen herablassender Bagatellisierung und rotzfrecher Dreistigkeit bewegen, ist es immer unverständlicher, wie ein großer Teil der Bevölkerung – wenn man den Umfragen glauben darf – die erdrückende Faktenlage ignoriert und weiterhin an ihrem Liebling festhält. Ist das noch Wunschdenken oder schon pseudoreligiöse Verehrung?

Guttenberg hat ja stets davon profitiert, als „anders“, als die anderen Politiker zu gelten. Das hat er seiner Herkunft zu verdanken, seiner Selbstinszenierung als schneidigen, integeren und gebildeten Politstar und natürlich seiner geradezu unappetitlichen Nähe zum Springer-Verlag.

Doch abseits geschliffener Worte, glamourösem Blitzlichtgewitter und dem professionell-kühlem Schassen von Mitarbeitern hat er wenig vorzuweisen. Die Sympathiewerte stimmen trotzdem. Guttenberg ist auch ein Produkt unseres Zeitgeists, wo es vor allem auf die glänzende Oberfläche (nein, dies ist keine Anspielung auf seine Frisur) ankommt, als auf tatsächliche Kompetenz oder das Leben von Werten, die man selbst predigt, ankommt. Guttenberg ist eine Projektionsfläche für all die Hoffnungen, die eine von der „gewöhnlichen“ Politik enttäuschte Wählerschar trägt.

Bleibt zu warten, wie lange es dauert, bis man auf breiter Basis feststellt, dass einer Projektionsfläche eines fehlt: Substanz.

Eigentlich ist es großartig, was in den vergangenen Wochen in Tunesien und Ägypten passiert ist. Nach Jahrzehnten himmelschreiender Ungerechtigkeit verlangt das Volk nun endlich, was ihm zusteht: Freiheit, Menschenrechte, Chancengleichheit. Doch die Reaktionen des Westens sind erstaunlich verhalten.

Kein Wunder, wenn man etwas genauer hinsieht. Schließlich haben die USA und die EU lange genug von der scheinbaren Stabilität und Berechenbarkeit dieser Regime profitiert. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Mubarak und Co. ihre Macht zu einem guten Teil auf massive Finanz- und Rüstungshilfen aus dem Westen stützen konnten.

Jetzt ist dieses System ins Wanken geraten. Und im Westen geht die Angst vor einem Aufstieg des radikalem Islamismus um. Fakt ist: die Bevölkerung in Ägypten weiß genau, dass das Unrechtsregime von Mubarak sich nur durch die massive Unterstützung des Westens so lange halten konnte.

Ein redliches Bemühen des Westens um Demokratie in Ägypten und im Nahen Osten fand nie statt. Man sah die dortige Bevölkerung nie als gleichwertig an, sondern nur als potentielle Unterstützter des radikalen Islamismus – und das besonders nach dem 11. September. Die Jugend allerdings, die im Iran, in Tunesien und jetzt auch in Ägypten auf die Straße ging, wirkt keineswegs wie blindwütige Islamisten. Die Fernsehbilder zeigen moderne, selbstbewusste junge Menschen. Ihr teilweise offen zur Schau getragenes Misstrauen gegenüber dem Westen ist nichts weiter als eine verständliche Reaktion darauf, jahrzehntelang im Stich gelassen worden zu sein.

Die Nahostpolitik der letzten Jahrzehnte war eine Politik der Angst. Spätestens seit der islamischen Revolution im Iran wollte der Westen – um jeden Preis wie es scheint – eine weitere Ausbreitung des Islamismus verhindern. Ohne sich dabei bewusst zu werden, dass Extremismus oft nur eine Reaktion auf miserable Lebensumstände, mangelnde Bildung und Perspektivlosigkeit ist.

Doch anstelle sich um diese strukturellen Probleme zu kümmern – was durchaus im Bereich des machbaren europäischer und amerikanischer Politik gelegen hätte – hat man es vorgezogen, sich auf Despoten und Waffen zu verlassen. Wohin das führen kann, zeigen auf drastische Weise zwei aktuelle Krisenherde: Irak und Afghanistan. Sowohl die Taliban, als auch Saddam Hussein waren einst willfährige „Stellvertreter“ westlicher Sicherheitsinteressen.

Der Westen hat im Nahen Osten dutzende Chancen verspielt. Nun fürchtet man sich in Ägypten vor einem neuen politischen Scherbenhaufen zu stehen. Weder Amerikaner noch Europäer wagen es, klar Stellung zu beziehen. Zu groß ist die Angst, dass nach der Ära Mubarak ein radikalislamistischer ägyptischer Staat entsteht. Eine wohl irrationale Angst, die die Entwicklungen der letzten Zeit schlichtweg ignoriert. Nicht der Islamismus ist dieser Tage auf den Straßen von Ägypten, sondern der Wunsch nach Freiheit und einem besseren Leben.  Es ist jetzt an der Zeit, wieder Vertrauen aufzubauen und mit offenen Armen auf die junge Generation in Ägypten und in der gesamten arabischen Welt zuzugehen.

Nachhaltig einkaufen ist eine tolle Sache. Natürlich kann man auch nachhaltig in den Urlaub fahren, nachhaltig wirtschaften und im Großen und Ganzen sowieso ganz super nachhaltig leben. Man kann sogar seine Nachhaltigkeitserfolge in seinem eigenen Nachhaltigkeitsblog unters (nachhaltigkeitshungrige) Netzvolk bringen.

Doch damit nicht genug: Haben sie schon einmal nachhaltig gebaut? Oder eine nachhaltige Predigt besucht? Nein? Dann haben Sie aber wenigstens schon mal nachhaltig abgenommen, wurden nachhaltig beraten, haben nachhaltig geputzt und gespart oder haben sich nachhaltig einen Film angeguckt.

Nachhaltigkeit ist einer dieser schönen Begriffe, die jeder kennt, fast jeder in fast jeder Situation benutzen kann – aber kaum jemand weiß, was damit eigentlich damit gemeint ist. Begriffe können sich nicht wehren. Sie sind unserem Talent, Dinge vollkommen zu entstellen, aus dem Zusammenhang zu reißen, und nach Belieben weiter zu verwursten schutzlos ausgeliefert.

Nachhaltigkeit ist da unser wohl prominentestes Opfer. Es ist ja auch ein schöner Begriff. Gerade sachlich genug klingend, um nicht zu gefühlsduselig-verkitscht rüber zu kommen. Gleichzeitig aber auch altmodisch genug, angenehm lang und so schön beruhigend ausklingend. Ein richtig heimeliger Heile-Welt-Begriff, unterfüttert mit ökologisch-sozialem Gewissen. Glückliche Kühe auf saftig grünen Wiesen und rotbäckiges Kinderlachen inklusive. Da fragt man sich gleich, ob es nachhaltige Märchenerzähler gibt. In gewisser Weise ganz bestimmt.

Der Begriff stammt ja ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Und zwar aus dem Jahr 1713 und wurde erstmals von einem Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht benutzt. Der Nachhaltigkeitsgedanke lässt sich kurz in einem Satz zusammenfassen. Man soll nur so viele Bäume fällen, dass man den Wald auch dauerhaft bewirtschaften kann.

Also Nutzung und Erhalt von Ressourcen, nicht deren Ausbeutung.

Nachhaltigkeit, Sustainability im englischen, ist mir aber auch aus einem ganz anderen Zusammenhang geläufig. Sustain ist nämlich der unter Gitarristen verwendete Begriff für das andauern des Tons und ist deshalb auch dort durchaus positiv belegt. Für elektrifizierte Gitarristen gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, die Nachhaltig… äh das Sustain durch technische Hilfsmittel, wie Verzerrung, Echo und Hall zu verlängern. In diesem Zusammenhang allerdings von Nach-hall-tigkeit zu sprechen, halte ich für nachhaltig absurd.

Die Best of Nachhaltigkeit Liste zum runterladen und an-die-Wand-hängen! (PDF)

Vorweihnachtszeit – Zeit der Traditionen: Geschenke kaufen, Glühweinstände belagern, Weihnachtsbeleuchtung bewundern (die eigene), oder für zu übertrieben halten (die vom Nachbarn), Plätzchen backen und – richtig! – Jahresrückblicke im TV ansehen.

Lesch meets Bluescreen & Blue Planet (Quelle: ZDF.de)

Bei Abenteuer Forschung hatte man sich für dieses Jahr etwas Besonderes ausgedacht: Statt dem Zuschauer eventuell eine hochkarätig besetzte aber vielleicht nicht ausreichend plakative Diskussionsrunde zuzumuten, oder gar einem langweiligen und doch irgendwie gehetzten Zusammenschnitt vergangener Sendungen anzubieten, hat man sich dafür entschieden Mutter Erde persönlich einzuladen! Leider ist‘s dann doch nur bei oben erwähnten Zusammenschnitt geblieben.

Zugegeben: die Idee ist die schlechteste nicht: Eine Sendung, die sich ausschließlich mit dem Menschen und seiner Beziehung zu seinem Heimatplaneten auseinander setzt, hat durchaus Potential für tiefschürfende philosophische Grundsatzdebatten. Das wäre auch Harald Lesch, Professor für Astrophysik und Naturphilosophie durchaus entgegen gekommen. Doch leider blieb es bei einem ziemlich vorhersehbaren, oberflächlichen Schlagabtausch.

Zwar gab sich Lesch durchaus Mühe, seiner Rolle als Interviewer und gleichzeitig Stellvertreter der Menschheit gerecht zu werden, aber abgesehen von einigen durchaus geschickt eingestreuten Informationsschnipseln, wie beispielsweise das Alter seiner Gesprächspartnerin (natürlich hat er die „alte Dame“ um Erlaubnis gefragt – so viel Anstand muss nun trotz gigantischer Umweltzerstörung sein), hatte man an keiner Stelle das Gefühl, etwas furchtbar interessantes zu erfahren.

Die Mickey-Maus-artige Stimme seiner Interviewpartnerin hat da nicht unbedingt dazu beigetragen, der Sendung Ernsthaftigkeit zu verleihen. Trotz solch dramatischer Themen, wie dem Erdbeben von Haiti oder der Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Vielleicht war es ja auch die zu „globale“ Sichtweise seiner Interviewpartnerin, die gern mal einen Vulkanausbruch mit dem ausdrücken eines Pickels vergleicht und sich dann wundert, warum bei den seltsamen Kreaturen, die auf ihr leben, der ganze Flugverkehr zusammenbricht. Da kann es wohl auch einem Lesch – bei dem man auch nach zwei Jahren Abenteuer Forschung noch den Eindruck hat, als würde die Sendung nicht so recht zu ihm passen – schwerfallen, mit ernster Miene weiter zu moderieren.

Ach ja: neueste Erkenntnisse über die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Neandertaler und modernem Menschen haben auch irgendwie noch Platz in der Sendung gefunden. Und zwar auf ungefähr so elegante Weise, wie in diesem Text.

So dümpelte die Sendung ohne große Höhepunkte vor sich hin. Nach dreißig Minuten war man aber doch überrascht, dass das schon alles ist. Immerhin gab‘s zwischendurch ein paar nette Animationen. Wer den guten Professor Lesch gern ein bisschen wissenschaftlicher und „gehaltvoller“ mag, für den gibt’s immerhin ja noch Alpha Centauri und Leschs Kosmos.

Links:

Erde 2010 – das Interview (bis 15.12.)

Abenteuer Forschung

Die Klimadebatte kann etwas furchtbar abstraktes sein: CO2-Emmissionshandel, Klimakonferenzen, Gletscherschwund, Abholzung der Regenwälder, Dürrekatastrophen usw. – die Liste der Begriffe ist lang. Vieles ist komplex und hat kaum Bezug zu unserer Alltagswelt.

Um den Klimawandel – und vor allem seine Ursachen – etwas verständlicher zu machen, gibt es zwei einfache und verständliche Konzepte: Den Ökologischen Fußabdruck und das Virtuelle Wasser.

Hinter beiden steckt zwar eine Unmenge an statistischem Zahlen und komplizierte Berechnungen, doch ihre Resultate sind verständlich und Alltagsnah:

 

Der ökologische Fußabdruck

Der Ökologische Fußabdruck sagt, wie viel Naturfläche nötig ist, um den Treibhausgas-Ausstoß von einem Land, einer Stadt, oder auch nur einer einzelnen Person oder einem bestimmten Produkt aufzunehmen.

Wer also wissen will, warum Bayern eine Landfläche so groß wie Spanien braucht, warum Berlin fast bis nach Hamburg reicht und was der World-Overshoot-Day ist, der ist auf folgenden Seiten bestens aufgehoben:

Broschüre zum ökologischen Fußabdruck (PDF)

Website zum ökologischen Fußabdruck

Global Footprint Network

Global Footprint Quiz (englisch)

Der ökologische Fußabdruck Berlins (PDF)

 

Virtuelles Wasser

Virtuelles Wasser dagegen ist  eine Art „Maßeinheit“ für den Wasserverbrauch. Der Begriff täuscht etwas: Der Wasserverbrauch ist durchaus real. Nur entsteht er nicht direkt im Haushalt, sondern in der Landwirtschaft und der Industrie. Nach Angaben des WWF verbraucht so jeder Deutsche am Tag mehr als 5000 Liter Trinkwasser. Die Hälfte davon wird im Ausland verbraucht. Oftmals in Ländern mit ohnehin großer Wasserknappheit – die Globalisierung ist also auch längst beim Wasserverbrauch angekommen.

Hartwig Streusloff von renommierten Fraunhofer Institut hat auf der Tagung für Internationales Wasserressourcenmanagement (IWRM) am 24. und 25. November diesen Jahres unter anderem Folgende Zahlen zum Verbrauch an Virtuellem Wasser vorgestellt:

1 Kilo Steak             ca. 5000 Liter

1 Kilo Zucker           ca. 3000 Liter

T-Shirt                    ca. 23.000 Liter

PKW                        ca. 450.000 Liter

Weiterführende Informationen zum Thema finden sich auf der Seite der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz und auf der Seite des World Wide Fund For Nature (WWF)