Archive for Dezember, 2010


Nachhaltig einkaufen ist eine tolle Sache. Natürlich kann man auch nachhaltig in den Urlaub fahren, nachhaltig wirtschaften und im Großen und Ganzen sowieso ganz super nachhaltig leben. Man kann sogar seine Nachhaltigkeitserfolge in seinem eigenen Nachhaltigkeitsblog unters (nachhaltigkeitshungrige) Netzvolk bringen.

Doch damit nicht genug: Haben sie schon einmal nachhaltig gebaut? Oder eine nachhaltige Predigt besucht? Nein? Dann haben Sie aber wenigstens schon mal nachhaltig abgenommen, wurden nachhaltig beraten, haben nachhaltig geputzt und gespart oder haben sich nachhaltig einen Film angeguckt.

Nachhaltigkeit ist einer dieser schönen Begriffe, die jeder kennt, fast jeder in fast jeder Situation benutzen kann – aber kaum jemand weiß, was damit eigentlich damit gemeint ist. Begriffe können sich nicht wehren. Sie sind unserem Talent, Dinge vollkommen zu entstellen, aus dem Zusammenhang zu reißen, und nach Belieben weiter zu verwursten schutzlos ausgeliefert.

Nachhaltigkeit ist da unser wohl prominentestes Opfer. Es ist ja auch ein schöner Begriff. Gerade sachlich genug klingend, um nicht zu gefühlsduselig-verkitscht rüber zu kommen. Gleichzeitig aber auch altmodisch genug, angenehm lang und so schön beruhigend ausklingend. Ein richtig heimeliger Heile-Welt-Begriff, unterfüttert mit ökologisch-sozialem Gewissen. Glückliche Kühe auf saftig grünen Wiesen und rotbäckiges Kinderlachen inklusive. Da fragt man sich gleich, ob es nachhaltige Märchenerzähler gibt. In gewisser Weise ganz bestimmt.

Der Begriff stammt ja ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Und zwar aus dem Jahr 1713 und wurde erstmals von einem Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht benutzt. Der Nachhaltigkeitsgedanke lässt sich kurz in einem Satz zusammenfassen. Man soll nur so viele Bäume fällen, dass man den Wald auch dauerhaft bewirtschaften kann.

Also Nutzung und Erhalt von Ressourcen, nicht deren Ausbeutung.

Nachhaltigkeit, Sustainability im englischen, ist mir aber auch aus einem ganz anderen Zusammenhang geläufig. Sustain ist nämlich der unter Gitarristen verwendete Begriff für das andauern des Tons und ist deshalb auch dort durchaus positiv belegt. Für elektrifizierte Gitarristen gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, die Nachhaltig… äh das Sustain durch technische Hilfsmittel, wie Verzerrung, Echo und Hall zu verlängern. In diesem Zusammenhang allerdings von Nach-hall-tigkeit zu sprechen, halte ich für nachhaltig absurd.

Die Best of Nachhaltigkeit Liste zum runterladen und an-die-Wand-hängen! (PDF)

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Vorweihnachtszeit – Zeit der Traditionen: Geschenke kaufen, Glühweinstände belagern, Weihnachtsbeleuchtung bewundern (die eigene), oder für zu übertrieben halten (die vom Nachbarn), Plätzchen backen und – richtig! – Jahresrückblicke im TV ansehen.

Lesch meets Bluescreen & Blue Planet (Quelle: ZDF.de)

Bei Abenteuer Forschung hatte man sich für dieses Jahr etwas Besonderes ausgedacht: Statt dem Zuschauer eventuell eine hochkarätig besetzte aber vielleicht nicht ausreichend plakative Diskussionsrunde zuzumuten, oder gar einem langweiligen und doch irgendwie gehetzten Zusammenschnitt vergangener Sendungen anzubieten, hat man sich dafür entschieden Mutter Erde persönlich einzuladen! Leider ist‘s dann doch nur bei oben erwähnten Zusammenschnitt geblieben.

Zugegeben: die Idee ist die schlechteste nicht: Eine Sendung, die sich ausschließlich mit dem Menschen und seiner Beziehung zu seinem Heimatplaneten auseinander setzt, hat durchaus Potential für tiefschürfende philosophische Grundsatzdebatten. Das wäre auch Harald Lesch, Professor für Astrophysik und Naturphilosophie durchaus entgegen gekommen. Doch leider blieb es bei einem ziemlich vorhersehbaren, oberflächlichen Schlagabtausch.

Zwar gab sich Lesch durchaus Mühe, seiner Rolle als Interviewer und gleichzeitig Stellvertreter der Menschheit gerecht zu werden, aber abgesehen von einigen durchaus geschickt eingestreuten Informationsschnipseln, wie beispielsweise das Alter seiner Gesprächspartnerin (natürlich hat er die „alte Dame“ um Erlaubnis gefragt – so viel Anstand muss nun trotz gigantischer Umweltzerstörung sein), hatte man an keiner Stelle das Gefühl, etwas furchtbar interessantes zu erfahren.

Die Mickey-Maus-artige Stimme seiner Interviewpartnerin hat da nicht unbedingt dazu beigetragen, der Sendung Ernsthaftigkeit zu verleihen. Trotz solch dramatischer Themen, wie dem Erdbeben von Haiti oder der Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Vielleicht war es ja auch die zu „globale“ Sichtweise seiner Interviewpartnerin, die gern mal einen Vulkanausbruch mit dem ausdrücken eines Pickels vergleicht und sich dann wundert, warum bei den seltsamen Kreaturen, die auf ihr leben, der ganze Flugverkehr zusammenbricht. Da kann es wohl auch einem Lesch – bei dem man auch nach zwei Jahren Abenteuer Forschung noch den Eindruck hat, als würde die Sendung nicht so recht zu ihm passen – schwerfallen, mit ernster Miene weiter zu moderieren.

Ach ja: neueste Erkenntnisse über die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Neandertaler und modernem Menschen haben auch irgendwie noch Platz in der Sendung gefunden. Und zwar auf ungefähr so elegante Weise, wie in diesem Text.

So dümpelte die Sendung ohne große Höhepunkte vor sich hin. Nach dreißig Minuten war man aber doch überrascht, dass das schon alles ist. Immerhin gab‘s zwischendurch ein paar nette Animationen. Wer den guten Professor Lesch gern ein bisschen wissenschaftlicher und „gehaltvoller“ mag, für den gibt’s immerhin ja noch Alpha Centauri und Leschs Kosmos.

Links:

Erde 2010 – das Interview (bis 15.12.)

Abenteuer Forschung

Die Klimadebatte kann etwas furchtbar abstraktes sein: CO2-Emmissionshandel, Klimakonferenzen, Gletscherschwund, Abholzung der Regenwälder, Dürrekatastrophen usw. – die Liste der Begriffe ist lang. Vieles ist komplex und hat kaum Bezug zu unserer Alltagswelt.

Um den Klimawandel – und vor allem seine Ursachen – etwas verständlicher zu machen, gibt es zwei einfache und verständliche Konzepte: Den Ökologischen Fußabdruck und das Virtuelle Wasser.

Hinter beiden steckt zwar eine Unmenge an statistischem Zahlen und komplizierte Berechnungen, doch ihre Resultate sind verständlich und Alltagsnah:

 

Der ökologische Fußabdruck

Der Ökologische Fußabdruck sagt, wie viel Naturfläche nötig ist, um den Treibhausgas-Ausstoß von einem Land, einer Stadt, oder auch nur einer einzelnen Person oder einem bestimmten Produkt aufzunehmen.

Wer also wissen will, warum Bayern eine Landfläche so groß wie Spanien braucht, warum Berlin fast bis nach Hamburg reicht und was der World-Overshoot-Day ist, der ist auf folgenden Seiten bestens aufgehoben:

Broschüre zum ökologischen Fußabdruck (PDF)

Website zum ökologischen Fußabdruck

Global Footprint Network

Global Footprint Quiz (englisch)

Der ökologische Fußabdruck Berlins (PDF)

 

Virtuelles Wasser

Virtuelles Wasser dagegen ist  eine Art „Maßeinheit“ für den Wasserverbrauch. Der Begriff täuscht etwas: Der Wasserverbrauch ist durchaus real. Nur entsteht er nicht direkt im Haushalt, sondern in der Landwirtschaft und der Industrie. Nach Angaben des WWF verbraucht so jeder Deutsche am Tag mehr als 5000 Liter Trinkwasser. Die Hälfte davon wird im Ausland verbraucht. Oftmals in Ländern mit ohnehin großer Wasserknappheit – die Globalisierung ist also auch längst beim Wasserverbrauch angekommen.

Hartwig Streusloff von renommierten Fraunhofer Institut hat auf der Tagung für Internationales Wasserressourcenmanagement (IWRM) am 24. und 25. November diesen Jahres unter anderem Folgende Zahlen zum Verbrauch an Virtuellem Wasser vorgestellt:

1 Kilo Steak             ca. 5000 Liter

1 Kilo Zucker           ca. 3000 Liter

T-Shirt                    ca. 23.000 Liter

PKW                        ca. 450.000 Liter

Weiterführende Informationen zum Thema finden sich auf der Seite der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz und auf der Seite des World Wide Fund For Nature (WWF)

Gefrorene Positionen – aufgeheizter Planet – Cancún 2010

Seit Montag letzter Woche läuft die UN-Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancún. Bis Freitag wollen sich die Umweltminister auf ein Folgeabkommen zum Kyoto-Protokoll geeinigt haben. Die „heiße Phase“ der Verhandlungen hat damit begonnen. Ob es zu einem greifbaren Ergebnis und nicht nur zu schwammigen Absichtserklärungen kommen wird, scheint allerdings fraglich. Zu stark sind die Einzelinteressen von Schwellenländern, wie China und den Spitzenreitern im pro-Kopf-Energieverbrauch – den USA, um sich auf klare Klimaziele zu einigen.

Fraglich ist allerdings auch, ob die Konferenz die richtigen Ziele verfolgt.

Wenn das Wort „Klimawandel“ fällt, folgt nahezu unvermeidlich der Begriff „CO2“. Der Ausstoß des Treibhausgases ist mittlerweile regelrecht zum Synonym des „Bösen“ geworden. Zum Inbegriff der Umweltzerstörung. Und so steht auch in Cancún wieder die Reduzierung des Ausstoßes des allseits bekannten Kohlendioxid wieder im Mittelpunkt der Debatten.

 

Tausendfach stärker: Die Liga der künstlichen Klimakiller

Doch CO2 ist beileibe nicht das einzige Treibhausgas, dass zur Erderwärmung führt. Und es ist vor allem auch eins der schwächsten. Zwar ist sein Anteil mit drei Vierteln am Gesamtausstoß an Treibhausgasen bei weitem am höchsten, aber Treibhausgase, wie beispielsweise Methan, das hauptsächlich durch landwirtschaftliche Produktion verursacht wird, immerhin noch einen Anteil von 15 % hat, ist mehr als 20-mal Klimaschädlicher als CO2.

Noch dramatischer sind die Unterschiede bei Industriell hergestellten, künstlichen Treibhausgasen. Spitzenreiter hier ist Schwefelhexafluorid (SF6), das ein fast 24.000 mal stärkeres Treibhausgas ist, als das „natürliche“, durch Verbrennungsprozesse freiwerdende CO2.

Andere Treibhausgase in der Liga der künstlichen Klimakiller sind Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs, bis zu 11.700 mal schädlicher) und Perlfluorkarbone (PFCs, bis zu 9200 mal schädlicher als CO2).

Insgesamt hat diese Gruppe zwar „nur“ einen Anteil von ca. 2,4 % am Gesamtausstoß an Treibhausgasen, aber ihr Klimaerwärmungspotential ist gewaltig. Manche dieser Gase – wie die PFCs – bleiben darüber hinaus bis zu 10.000 Jahre in der Atmosphäre – CO2 dagegen nur etwa 50 bis 200 Jahre.

 

Ein Abkommen der veralteten CO2-Welt: das Kyoto-Protokoll

Karlson Hargroves fordert daher in seinem Buch Buch „Faktor 5 – Die Formel für nachhaltiges Wachstum“, das er zusammen mit Ernst Ulrich von Weizsäcker geschrieben hat, dass „jegliche Strategie zur Emmissionsminderung ein ernsthaftes Augenmerk auf diese Gase legen muss.“

Das Kyoto-Protokoll hinkt da der Entwicklung deutlich hinterher. 1997 – im Jahr seiner Verabschiedung – wurden viele dieser künstlichenTreibhausgase noch nicht in nennenswerten Mengen produziert. Doch neue Technologien – Hargroves nennt dabei besonders Flachbildschirme – haben diese Treibhausgase enorm zunehmen lassen.

Die Politik ist daher in Zugzwang, will sie verhindern, dass ihre mühsam abgerungenen Kompromisse nicht vollends vergebens sind. Die Welt braucht eine dringende Neuausrichtung in der Debatte um Klimakiller. So verführerisch das Konzentrieren auf den CO2-Ausstoß auch ist, so irreführend ist dieser Weg.

Die EU hat dies immerhin erkannt und plant, die künstlichen Klimakiller ab 2013 in den Emmissionshandel aufzunehmen.

Die Zahlen zur Klimaschädlichkeit, sowie die Anteile der jeweiligen Treibhausgase stammen aus dem bereits erwähnten Buch „Faktor 5“, dass sich wiederum auf die „Energy Information Administration“ und auf die IPCC bezieht.

Jetzt gehöre ich also auch zu den Bloggern. Fühlt sich noch ein bischen ungewohnt an, das Ganze, aber jetzt – nachdem ich mich durch Registrierung, Designwahl und Einstellungen durchgeklickt habe, deren Bedeutung sich mir hoffentlich noch erschließen wird, gefällt’s mir hier schon recht gut! 🙂

Ich werde mich hier in regelmäßigen Abständen über all die Dinge auslassen, die ich interessant, kurios oder einfach nur wichtig finde. Die Auswahl der Themen ist natürlich vollkommen subjektiv. Daher auch der Name meines Blogs. Unnötige Selbstdarstellung wird dabei trotzdem nach Kräften vermieden.