Gefrorene Positionen – aufgeheizter Planet – Cancún 2010

Seit Montag letzter Woche läuft die UN-Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancún. Bis Freitag wollen sich die Umweltminister auf ein Folgeabkommen zum Kyoto-Protokoll geeinigt haben. Die „heiße Phase“ der Verhandlungen hat damit begonnen. Ob es zu einem greifbaren Ergebnis und nicht nur zu schwammigen Absichtserklärungen kommen wird, scheint allerdings fraglich. Zu stark sind die Einzelinteressen von Schwellenländern, wie China und den Spitzenreitern im pro-Kopf-Energieverbrauch – den USA, um sich auf klare Klimaziele zu einigen.

Fraglich ist allerdings auch, ob die Konferenz die richtigen Ziele verfolgt.

Wenn das Wort „Klimawandel“ fällt, folgt nahezu unvermeidlich der Begriff „CO2“. Der Ausstoß des Treibhausgases ist mittlerweile regelrecht zum Synonym des „Bösen“ geworden. Zum Inbegriff der Umweltzerstörung. Und so steht auch in Cancún wieder die Reduzierung des Ausstoßes des allseits bekannten Kohlendioxid wieder im Mittelpunkt der Debatten.

 

Tausendfach stärker: Die Liga der künstlichen Klimakiller

Doch CO2 ist beileibe nicht das einzige Treibhausgas, dass zur Erderwärmung führt. Und es ist vor allem auch eins der schwächsten. Zwar ist sein Anteil mit drei Vierteln am Gesamtausstoß an Treibhausgasen bei weitem am höchsten, aber Treibhausgase, wie beispielsweise Methan, das hauptsächlich durch landwirtschaftliche Produktion verursacht wird, immerhin noch einen Anteil von 15 % hat, ist mehr als 20-mal Klimaschädlicher als CO2.

Noch dramatischer sind die Unterschiede bei Industriell hergestellten, künstlichen Treibhausgasen. Spitzenreiter hier ist Schwefelhexafluorid (SF6), das ein fast 24.000 mal stärkeres Treibhausgas ist, als das „natürliche“, durch Verbrennungsprozesse freiwerdende CO2.

Andere Treibhausgase in der Liga der künstlichen Klimakiller sind Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs, bis zu 11.700 mal schädlicher) und Perlfluorkarbone (PFCs, bis zu 9200 mal schädlicher als CO2).

Insgesamt hat diese Gruppe zwar „nur“ einen Anteil von ca. 2,4 % am Gesamtausstoß an Treibhausgasen, aber ihr Klimaerwärmungspotential ist gewaltig. Manche dieser Gase – wie die PFCs – bleiben darüber hinaus bis zu 10.000 Jahre in der Atmosphäre – CO2 dagegen nur etwa 50 bis 200 Jahre.

 

Ein Abkommen der veralteten CO2-Welt: das Kyoto-Protokoll

Karlson Hargroves fordert daher in seinem Buch Buch „Faktor 5 – Die Formel für nachhaltiges Wachstum“, das er zusammen mit Ernst Ulrich von Weizsäcker geschrieben hat, dass „jegliche Strategie zur Emmissionsminderung ein ernsthaftes Augenmerk auf diese Gase legen muss.“

Das Kyoto-Protokoll hinkt da der Entwicklung deutlich hinterher. 1997 – im Jahr seiner Verabschiedung – wurden viele dieser künstlichenTreibhausgase noch nicht in nennenswerten Mengen produziert. Doch neue Technologien – Hargroves nennt dabei besonders Flachbildschirme – haben diese Treibhausgase enorm zunehmen lassen.

Die Politik ist daher in Zugzwang, will sie verhindern, dass ihre mühsam abgerungenen Kompromisse nicht vollends vergebens sind. Die Welt braucht eine dringende Neuausrichtung in der Debatte um Klimakiller. So verführerisch das Konzentrieren auf den CO2-Ausstoß auch ist, so irreführend ist dieser Weg.

Die EU hat dies immerhin erkannt und plant, die künstlichen Klimakiller ab 2013 in den Emmissionshandel aufzunehmen.

Die Zahlen zur Klimaschädlichkeit, sowie die Anteile der jeweiligen Treibhausgase stammen aus dem bereits erwähnten Buch „Faktor 5“, dass sich wiederum auf die „Energy Information Administration“ und auf die IPCC bezieht.