Vorweihnachtszeit – Zeit der Traditionen: Geschenke kaufen, Glühweinstände belagern, Weihnachtsbeleuchtung bewundern (die eigene), oder für zu übertrieben halten (die vom Nachbarn), Plätzchen backen und – richtig! – Jahresrückblicke im TV ansehen.

Lesch meets Bluescreen & Blue Planet (Quelle: ZDF.de)

Bei Abenteuer Forschung hatte man sich für dieses Jahr etwas Besonderes ausgedacht: Statt dem Zuschauer eventuell eine hochkarätig besetzte aber vielleicht nicht ausreichend plakative Diskussionsrunde zuzumuten, oder gar einem langweiligen und doch irgendwie gehetzten Zusammenschnitt vergangener Sendungen anzubieten, hat man sich dafür entschieden Mutter Erde persönlich einzuladen! Leider ist‘s dann doch nur bei oben erwähnten Zusammenschnitt geblieben.

Zugegeben: die Idee ist die schlechteste nicht: Eine Sendung, die sich ausschließlich mit dem Menschen und seiner Beziehung zu seinem Heimatplaneten auseinander setzt, hat durchaus Potential für tiefschürfende philosophische Grundsatzdebatten. Das wäre auch Harald Lesch, Professor für Astrophysik und Naturphilosophie durchaus entgegen gekommen. Doch leider blieb es bei einem ziemlich vorhersehbaren, oberflächlichen Schlagabtausch.

Zwar gab sich Lesch durchaus Mühe, seiner Rolle als Interviewer und gleichzeitig Stellvertreter der Menschheit gerecht zu werden, aber abgesehen von einigen durchaus geschickt eingestreuten Informationsschnipseln, wie beispielsweise das Alter seiner Gesprächspartnerin (natürlich hat er die „alte Dame“ um Erlaubnis gefragt – so viel Anstand muss nun trotz gigantischer Umweltzerstörung sein), hatte man an keiner Stelle das Gefühl, etwas furchtbar interessantes zu erfahren.

Die Mickey-Maus-artige Stimme seiner Interviewpartnerin hat da nicht unbedingt dazu beigetragen, der Sendung Ernsthaftigkeit zu verleihen. Trotz solch dramatischer Themen, wie dem Erdbeben von Haiti oder der Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Vielleicht war es ja auch die zu „globale“ Sichtweise seiner Interviewpartnerin, die gern mal einen Vulkanausbruch mit dem ausdrücken eines Pickels vergleicht und sich dann wundert, warum bei den seltsamen Kreaturen, die auf ihr leben, der ganze Flugverkehr zusammenbricht. Da kann es wohl auch einem Lesch – bei dem man auch nach zwei Jahren Abenteuer Forschung noch den Eindruck hat, als würde die Sendung nicht so recht zu ihm passen – schwerfallen, mit ernster Miene weiter zu moderieren.

Ach ja: neueste Erkenntnisse über die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Neandertaler und modernem Menschen haben auch irgendwie noch Platz in der Sendung gefunden. Und zwar auf ungefähr so elegante Weise, wie in diesem Text.

So dümpelte die Sendung ohne große Höhepunkte vor sich hin. Nach dreißig Minuten war man aber doch überrascht, dass das schon alles ist. Immerhin gab‘s zwischendurch ein paar nette Animationen. Wer den guten Professor Lesch gern ein bisschen wissenschaftlicher und „gehaltvoller“ mag, für den gibt’s immerhin ja noch Alpha Centauri und Leschs Kosmos.

Links:

Erde 2010 – das Interview (bis 15.12.)

Abenteuer Forschung