Nachhaltig einkaufen ist eine tolle Sache. Natürlich kann man auch nachhaltig in den Urlaub fahren, nachhaltig wirtschaften und im Großen und Ganzen sowieso ganz super nachhaltig leben. Man kann sogar seine Nachhaltigkeitserfolge in seinem eigenen Nachhaltigkeitsblog unters (nachhaltigkeitshungrige) Netzvolk bringen.

Doch damit nicht genug: Haben sie schon einmal nachhaltig gebaut? Oder eine nachhaltige Predigt besucht? Nein? Dann haben Sie aber wenigstens schon mal nachhaltig abgenommen, wurden nachhaltig beraten, haben nachhaltig geputzt und gespart oder haben sich nachhaltig einen Film angeguckt.

Nachhaltigkeit ist einer dieser schönen Begriffe, die jeder kennt, fast jeder in fast jeder Situation benutzen kann – aber kaum jemand weiß, was damit eigentlich damit gemeint ist. Begriffe können sich nicht wehren. Sie sind unserem Talent, Dinge vollkommen zu entstellen, aus dem Zusammenhang zu reißen, und nach Belieben weiter zu verwursten schutzlos ausgeliefert.

Nachhaltigkeit ist da unser wohl prominentestes Opfer. Es ist ja auch ein schöner Begriff. Gerade sachlich genug klingend, um nicht zu gefühlsduselig-verkitscht rüber zu kommen. Gleichzeitig aber auch altmodisch genug, angenehm lang und so schön beruhigend ausklingend. Ein richtig heimeliger Heile-Welt-Begriff, unterfüttert mit ökologisch-sozialem Gewissen. Glückliche Kühe auf saftig grünen Wiesen und rotbäckiges Kinderlachen inklusive. Da fragt man sich gleich, ob es nachhaltige Märchenerzähler gibt. In gewisser Weise ganz bestimmt.

Der Begriff stammt ja ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Und zwar aus dem Jahr 1713 und wurde erstmals von einem Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht benutzt. Der Nachhaltigkeitsgedanke lässt sich kurz in einem Satz zusammenfassen. Man soll nur so viele Bäume fällen, dass man den Wald auch dauerhaft bewirtschaften kann.

Also Nutzung und Erhalt von Ressourcen, nicht deren Ausbeutung.

Nachhaltigkeit, Sustainability im englischen, ist mir aber auch aus einem ganz anderen Zusammenhang geläufig. Sustain ist nämlich der unter Gitarristen verwendete Begriff für das andauern des Tons und ist deshalb auch dort durchaus positiv belegt. Für elektrifizierte Gitarristen gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, die Nachhaltig… äh das Sustain durch technische Hilfsmittel, wie Verzerrung, Echo und Hall zu verlängern. In diesem Zusammenhang allerdings von Nach-hall-tigkeit zu sprechen, halte ich für nachhaltig absurd.

Die Best of Nachhaltigkeit Liste zum runterladen und an-die-Wand-hängen! (PDF)