Category: life itself


Die Ereignisse der letzten Tage in Japan übersteigen bisher alles Vorstellbare. Wohl niemand hätte vor einer Woche eine derartige Katastrophe in einem Atomkraftwerk eines der am höchst entwickelten Länder dieser Erde erwartet: In drei Reaktorblöcken sind die Kühlsysteme nahezu vollkommen ausgefallen, Kernschmelzen drohen oder sind bereits im Gang, 200.000 Menschen wurden evakuiert.

Es ist eine Situation, der man bisher nur Ländern mit zweit- bis drittklassigen Sicherheitsstandards zugetraut hatte. Das war zumindest die Illusion die man nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hatte. Nun hat es die drittgrößte Industrienation der Welt erwischt. In Japan herrschen Zustände, wie man dort seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr kannte.

Die Bundeskanzlerin und ihr Vizekanzler waren sichtlich bestürzt angesichts dieser Ereignisse. Sicher auch weil es ihre Regierung war, die vor wenigen Monaten erst eine Verlängerung der Atomkraftwerkelaufzeit um durchschnittliche 12 Jahre beschlossen hatte. Nun haben sie die Laufzeitverlängerung für 3 Monate ausgesetzt. Was das im Klartext heißt, wird sich zeigen. Vielleicht werden die ältesten – und damit auch unsichersten – Reaktoren nun doch abgeschaltet werden. So, wie es im Atomausstieg, den die rot-grüne Bundesregierung ursprünglich beschlossen hatte, festgelegt wurde.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Eine ähnliche Katastrophe, wie sie Japan mit dem Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami heimgesucht hat, ist in Deutschland nicht möglich. Andere Unglücke, wie Flugzeugabstürze oder Terroranschläge lassen sich nicht ausschließen. Auch wenn deren Wahrscheinlichkeit gering ist – die Folgen wären, wie man jetzt in Japan sieht, verheerend.

Ebenso ist menschliches Versagen ein Ausfall der Technik bei den teilweise bis zu 40 Jahre alten Reaktoren sei es durch Korrosion oder schlichtweg Materialermüdung immer wahrscheinlicher. So sorgt derzeit ein mehr als zwei Millimeter breiter Riss in einer Leitung des Primärkreislaufs im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld für heftige Diskussionen. Auch die Kernkraftwerke Biblis und Neckarwestheim stehen wegen ihres Alters und immer wieder auftretender Sicherheitsproblemen in der Kritik.

Atomkraftwerke sind aber auch nahezu unschlagbare Geldmaschinen. Alleine durch die Ende 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung können die Atomkraftwerksbetreiber mit Milliardengewinnen in den nächsten Jahren rechnen – und das bisher ohne ernsthaften Druck, mehr in deren Sicherheit zu investieren. Im Gegenteil: durch den bevorstehenden Ausstieg wurden vielfach notwendige Sicherheitsaufrüstungen schlichtweg ausgelassen.

Japan hat nun der Welt deutlich vor Augen geführt, wie groß die Gefahren von Atomkraft sind. Auch die immer wieder gebrauchte Floskel von Atomkraft als „notwendige Brückentechnologie“ ist nichts weiter, als eine Ausrede für mangelnden Mut und Willen, tatsächlich ein zukunftsfähiges Energiekonzept auszuarbeiten. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat in einem im Januar veröffentlichten Gutachten die Realisierbarkeit einer vollständig aus erneuerbaren Energiequellen stammenden Stromversorgung in Deutschland festgestellt. Und das ohne Laufzeitverlängerung oder den Bau neuer Kohlekraftwerke. Es fehlt offenbar nur an politischem Willen, tatsächlich tiefgreifende Umstrukturierungen der Energieversorgung zu wagen. Es scheint einfacher zu sein, vermeintlich wirtschaftlichen Interessen folgend, den Atomkraftwerksbetreibern klein beizugeben.

Vielleicht bewirkt die Katastrophe in Japan nun endlich ein Umdenken – es wäre höchste Zeit.

Links:

Direktlink zum Gutachten des SRU

Studienarbeit zum Energiekonzept der Bundesregierung

Advertisements

Jetzt hat er es doch getan: Mit reichlich Verspätung und mit wenig Selbsterkenntnis hat Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Rücktritt eingereicht.

Bei seinem letzten Auftritt als Verteidigungsminister ist zu Guttenberg seiner Linie treu geblieben. Erst wurde wieder nur ein kleiner Kreis Journalisten zur Pressekonferenz im Verteidigungsministerium zugelassen, dann wurde – es war beinahe zu erwarten – natürlich ohne Schuldeingeständnis und nahezu selbstkritikfrei eine Erklärung verlesen, deren Quintessenz man in etwa so zusammenfassen könnte: Für seine wissenschaftlichen Verfehlungen hat er durch die Rückgabe seines Doktortitels habe der Freiherr bereits gebüßt, allerdings macht es ihn das mediale Dauerfeuer unmöglich, sein wichtiges Amt als Verteidigungsminister weiter auszuführen. Die bösen Medien wiedermal.

Natürlich: Die Medien brauchen Einschaltquoten, wollen Magazine und Zeitungen verkaufen und nicht zuletzt Klicks generieren. Dazu eignet sich ein schillernder Volksliebling mit Adelstitel mehr, als ein dröger Abgeordneter mit Parteistallgeruch und ohne Charisma.

Allerdings braucht dieses Spiel immer zwei. Ohne einen Strahlemann, der sich bereitwillig und möglichst Öffentlichkeitswirksam vor den Kameras und den Mikrophonen einer ausgesuchten Reporterschar präsentiert, gibt es auch keine Hofberichterstattung.

Nicht zuletzt Guttenbergs Pakt mit dem Springer-Verlag, hat ihm lange Zeit die öffentliche Kritik ferngehalten, die auf wohl jedem anderen in diesem Amt gnadenlos eingeprasselt wäre. Gerade das Springer-Flaggschiff „Bild“ wusste immer wieder mit erstaunlichem Geschick den Verteidigungsminister zu Guttenberg von den Affären in seinem Hause zu trennen.

Nun hat ihn allerdings die Realität eingeholt. Die Plagiatsaffäre konnte er nicht abstreifen, wie so manch andere Skandal vorher. Diesmal gab es keine Untergebenen zum feuern; keine hochrangigen Bauernopfer. Diesmal musste er für seine eigenen Taten gerade stehen.

Wie wenig er die Tragweite seines Plagiats begriffen hat, hat sich deutlich zur Befragung im Bundestag am vergangenem Mittwoch gezeigt. Da waren dreiste Bagatellisierungen zu hören, vorgetragen mit einer selbstgefälligen man-wird-ja-nochmal-Fehler-machen-dürfen-Attitüde, die er mit Sicherheit keinem seiner Untergebenen hätte durchgehen lassen.

Und auch heute, auf seiner letzten Pressekonferenz als Bundesverteidigungsminister war der selbe Geist zu spüren. Das war kein aufrechter Rückzug. Eher ein gekränktes hinschmeißen, nachdem man viel zu lange an seinem Stuhl geklebt hatte. Guttenberg wollte die Sache aussitzen; mit anderen Themen in den Hintergrund drängen. Verantwortungsbewusstsein und Ehrgefühl, für das der ehemalige Verteidigungsminister immer noch für weite Teile der Bevölkerung steht, sehen anders aus.

Doch der Druck hat in den letzten Tagen massiv zugenommen. Die Kanzlerin hatte sich, taktisch klug, schon bei seiner Anhörung vor dem Bundestag nicht mehr öffentlich mit ihm gezeigt, ihm dennoch aus der Ferne volle Unterstützung zugesagt. Eine Unterstützung auf Zeit, wie sich herausgestellt hat.

Alle – teilweise peinlichen – Lippenbekenntnisse, wie zuletzt von dem baden-württembergischen Ministerpräsident, Stefan Mappus, zu hören, haben ihn nicht mehr halten können. Offenbar war der kritische Punkt erreicht, ab dem die Person zu Guttenberg – sei es der plagiierende Doktorand, oder der im hohen Maßen beliebte Verteidigungsminister – der Union mehr Schaden als Nutzen zugefügt hat.

Wohl jeder, mit den Techniken wissenschaftlichen Arbeitens halbwegs vertraut ist, hat sich, nach Karl-Theodor zu Guttenbergs Anhörung vor dem Bundestag am Mittwoch, wohl folgende Frage gestellt – natürlich nur, wenn man ihm abkauft, dass er nicht absichtlich plagiiert hat:

In welchem Zustand geistiger Umnachtung muss man eine solche eigentlich Arbeit angefertigt haben?

Anders, als mit einer schwerwiegenden geistigen Beeinträchtigung (zumindest während des sieben Jahre währenden Entstehungsprozesses, noch dazu in – man beachte den Superlativ – mühevollster Kleinstarbeit) ist es jedenfalls kaum zu erklären, dass man während des Entstehungsprozesses einer Dissertation nicht mehr weiß, was irgendwo abgeschrieben hat und was auf seinem eigenen Mist gewachsen ist.

Angesichts seines Verhaltens am vergangenen Mittwoch ist Herr Guttenberg sich offenbar dieser zeitweiligen Beeinträchtigungen auch bewusst. Schließlich hat er ausdrücklich um weitere Hinweise auf plagiierte Stellen gebeten, was darauf schließen lässt, dass er tatsächlich nicht mehr weiß, was von ihm stammt. Dies lässt natürlich Zweifel an seiner Eignung als Verteidigungsminister aufkommen. Kann es sich ein Land, wie die Bundesrepublik wirklich leisten, einen Verteidigungsminister zu haben, der unter temporären Aussetzern des Urteilsvermögens leidet? Ein Rücktritt wäre wohl das Beste in seinem Fall. Schon allein zur Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Soldaten im Einsatz.

Doch Spaß beiseite: Guttenberg hat kein Kavaliersdelikt begangen und seine Kritiker sind auch keine kleinlichen Fußnotenzähler. Es geht hier um handfeste Verletzungen des Urheberrechts und der wissenschaftlichen Methode, die von der Bundesregierung in beschämender Weise kleingeredet wird. Wenn eine Regierung von sich selbst behauptet, das geistige Eigentum schützen zu wollen, sollte sie auch dazu stehen. Alles andere sind Lippenbekenntnisse.

Der einzige Rohstoff, den unser Land hat, ist der Geist. Die Äußerungen aus dem CDU/CSU-Lager lassen tief blicken, wie es um deren Wertschätzung von Wissenschaft und Bildung bestellt ist, wenn es um sogenannte „Realpolitik“ geht. Sie sind eine Ohrfeige für jeden redlichen Wissenschaftler und Studierenden.

Man versucht im Hause Merkel, sich auf Biegen und Brechen, die kommenden Landtagswahlen im Visier, durch die Affäre zu mogeln. Das Motto auf der Regierungsbank scheint zu sein: Augen zu und durch. Ungeachtet des Schadens, den die Billigung eines derartigen Fehlverhaltens, wie es zu Guttenberg begangen hat, anrichtet. Hier wurde durch offensichtliche Kungelei ein ganzes System in ad absurdum geführt.

Angesichts der peinlichen Selbstverteidigungsversuche, die sich irgendwo zwischen herablassender Bagatellisierung und rotzfrecher Dreistigkeit bewegen, ist es immer unverständlicher, wie ein großer Teil der Bevölkerung – wenn man den Umfragen glauben darf – die erdrückende Faktenlage ignoriert und weiterhin an ihrem Liebling festhält. Ist das noch Wunschdenken oder schon pseudoreligiöse Verehrung?

Guttenberg hat ja stets davon profitiert, als „anders“, als die anderen Politiker zu gelten. Das hat er seiner Herkunft zu verdanken, seiner Selbstinszenierung als schneidigen, integeren und gebildeten Politstar und natürlich seiner geradezu unappetitlichen Nähe zum Springer-Verlag.

Doch abseits geschliffener Worte, glamourösem Blitzlichtgewitter und dem professionell-kühlem Schassen von Mitarbeitern hat er wenig vorzuweisen. Die Sympathiewerte stimmen trotzdem. Guttenberg ist auch ein Produkt unseres Zeitgeists, wo es vor allem auf die glänzende Oberfläche (nein, dies ist keine Anspielung auf seine Frisur) ankommt, als auf tatsächliche Kompetenz oder das Leben von Werten, die man selbst predigt, ankommt. Guttenberg ist eine Projektionsfläche für all die Hoffnungen, die eine von der „gewöhnlichen“ Politik enttäuschte Wählerschar trägt.

Bleibt zu warten, wie lange es dauert, bis man auf breiter Basis feststellt, dass einer Projektionsfläche eines fehlt: Substanz.

Eigentlich ist es großartig, was in den vergangenen Wochen in Tunesien und Ägypten passiert ist. Nach Jahrzehnten himmelschreiender Ungerechtigkeit verlangt das Volk nun endlich, was ihm zusteht: Freiheit, Menschenrechte, Chancengleichheit. Doch die Reaktionen des Westens sind erstaunlich verhalten.

Kein Wunder, wenn man etwas genauer hinsieht. Schließlich haben die USA und die EU lange genug von der scheinbaren Stabilität und Berechenbarkeit dieser Regime profitiert. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Mubarak und Co. ihre Macht zu einem guten Teil auf massive Finanz- und Rüstungshilfen aus dem Westen stützen konnten.

Jetzt ist dieses System ins Wanken geraten. Und im Westen geht die Angst vor einem Aufstieg des radikalem Islamismus um. Fakt ist: die Bevölkerung in Ägypten weiß genau, dass das Unrechtsregime von Mubarak sich nur durch die massive Unterstützung des Westens so lange halten konnte.

Ein redliches Bemühen des Westens um Demokratie in Ägypten und im Nahen Osten fand nie statt. Man sah die dortige Bevölkerung nie als gleichwertig an, sondern nur als potentielle Unterstützter des radikalen Islamismus – und das besonders nach dem 11. September. Die Jugend allerdings, die im Iran, in Tunesien und jetzt auch in Ägypten auf die Straße ging, wirkt keineswegs wie blindwütige Islamisten. Die Fernsehbilder zeigen moderne, selbstbewusste junge Menschen. Ihr teilweise offen zur Schau getragenes Misstrauen gegenüber dem Westen ist nichts weiter als eine verständliche Reaktion darauf, jahrzehntelang im Stich gelassen worden zu sein.

Die Nahostpolitik der letzten Jahrzehnte war eine Politik der Angst. Spätestens seit der islamischen Revolution im Iran wollte der Westen – um jeden Preis wie es scheint – eine weitere Ausbreitung des Islamismus verhindern. Ohne sich dabei bewusst zu werden, dass Extremismus oft nur eine Reaktion auf miserable Lebensumstände, mangelnde Bildung und Perspektivlosigkeit ist.

Doch anstelle sich um diese strukturellen Probleme zu kümmern – was durchaus im Bereich des machbaren europäischer und amerikanischer Politik gelegen hätte – hat man es vorgezogen, sich auf Despoten und Waffen zu verlassen. Wohin das führen kann, zeigen auf drastische Weise zwei aktuelle Krisenherde: Irak und Afghanistan. Sowohl die Taliban, als auch Saddam Hussein waren einst willfährige „Stellvertreter“ westlicher Sicherheitsinteressen.

Der Westen hat im Nahen Osten dutzende Chancen verspielt. Nun fürchtet man sich in Ägypten vor einem neuen politischen Scherbenhaufen zu stehen. Weder Amerikaner noch Europäer wagen es, klar Stellung zu beziehen. Zu groß ist die Angst, dass nach der Ära Mubarak ein radikalislamistischer ägyptischer Staat entsteht. Eine wohl irrationale Angst, die die Entwicklungen der letzten Zeit schlichtweg ignoriert. Nicht der Islamismus ist dieser Tage auf den Straßen von Ägypten, sondern der Wunsch nach Freiheit und einem besseren Leben.  Es ist jetzt an der Zeit, wieder Vertrauen aufzubauen und mit offenen Armen auf die junge Generation in Ägypten und in der gesamten arabischen Welt zuzugehen.

Nachhaltig einkaufen ist eine tolle Sache. Natürlich kann man auch nachhaltig in den Urlaub fahren, nachhaltig wirtschaften und im Großen und Ganzen sowieso ganz super nachhaltig leben. Man kann sogar seine Nachhaltigkeitserfolge in seinem eigenen Nachhaltigkeitsblog unters (nachhaltigkeitshungrige) Netzvolk bringen.

Doch damit nicht genug: Haben sie schon einmal nachhaltig gebaut? Oder eine nachhaltige Predigt besucht? Nein? Dann haben Sie aber wenigstens schon mal nachhaltig abgenommen, wurden nachhaltig beraten, haben nachhaltig geputzt und gespart oder haben sich nachhaltig einen Film angeguckt.

Nachhaltigkeit ist einer dieser schönen Begriffe, die jeder kennt, fast jeder in fast jeder Situation benutzen kann – aber kaum jemand weiß, was damit eigentlich damit gemeint ist. Begriffe können sich nicht wehren. Sie sind unserem Talent, Dinge vollkommen zu entstellen, aus dem Zusammenhang zu reißen, und nach Belieben weiter zu verwursten schutzlos ausgeliefert.

Nachhaltigkeit ist da unser wohl prominentestes Opfer. Es ist ja auch ein schöner Begriff. Gerade sachlich genug klingend, um nicht zu gefühlsduselig-verkitscht rüber zu kommen. Gleichzeitig aber auch altmodisch genug, angenehm lang und so schön beruhigend ausklingend. Ein richtig heimeliger Heile-Welt-Begriff, unterfüttert mit ökologisch-sozialem Gewissen. Glückliche Kühe auf saftig grünen Wiesen und rotbäckiges Kinderlachen inklusive. Da fragt man sich gleich, ob es nachhaltige Märchenerzähler gibt. In gewisser Weise ganz bestimmt.

Der Begriff stammt ja ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Und zwar aus dem Jahr 1713 und wurde erstmals von einem Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht benutzt. Der Nachhaltigkeitsgedanke lässt sich kurz in einem Satz zusammenfassen. Man soll nur so viele Bäume fällen, dass man den Wald auch dauerhaft bewirtschaften kann.

Also Nutzung und Erhalt von Ressourcen, nicht deren Ausbeutung.

Nachhaltigkeit, Sustainability im englischen, ist mir aber auch aus einem ganz anderen Zusammenhang geläufig. Sustain ist nämlich der unter Gitarristen verwendete Begriff für das andauern des Tons und ist deshalb auch dort durchaus positiv belegt. Für elektrifizierte Gitarristen gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, die Nachhaltig… äh das Sustain durch technische Hilfsmittel, wie Verzerrung, Echo und Hall zu verlängern. In diesem Zusammenhang allerdings von Nach-hall-tigkeit zu sprechen, halte ich für nachhaltig absurd.

Die Best of Nachhaltigkeit Liste zum runterladen und an-die-Wand-hängen! (PDF)

Die Klimadebatte kann etwas furchtbar abstraktes sein: CO2-Emmissionshandel, Klimakonferenzen, Gletscherschwund, Abholzung der Regenwälder, Dürrekatastrophen usw. – die Liste der Begriffe ist lang. Vieles ist komplex und hat kaum Bezug zu unserer Alltagswelt.

Um den Klimawandel – und vor allem seine Ursachen – etwas verständlicher zu machen, gibt es zwei einfache und verständliche Konzepte: Den Ökologischen Fußabdruck und das Virtuelle Wasser.

Hinter beiden steckt zwar eine Unmenge an statistischem Zahlen und komplizierte Berechnungen, doch ihre Resultate sind verständlich und Alltagsnah:

 

Der ökologische Fußabdruck

Der Ökologische Fußabdruck sagt, wie viel Naturfläche nötig ist, um den Treibhausgas-Ausstoß von einem Land, einer Stadt, oder auch nur einer einzelnen Person oder einem bestimmten Produkt aufzunehmen.

Wer also wissen will, warum Bayern eine Landfläche so groß wie Spanien braucht, warum Berlin fast bis nach Hamburg reicht und was der World-Overshoot-Day ist, der ist auf folgenden Seiten bestens aufgehoben:

Broschüre zum ökologischen Fußabdruck (PDF)

Website zum ökologischen Fußabdruck

Global Footprint Network

Global Footprint Quiz (englisch)

Der ökologische Fußabdruck Berlins (PDF)

 

Virtuelles Wasser

Virtuelles Wasser dagegen ist  eine Art „Maßeinheit“ für den Wasserverbrauch. Der Begriff täuscht etwas: Der Wasserverbrauch ist durchaus real. Nur entsteht er nicht direkt im Haushalt, sondern in der Landwirtschaft und der Industrie. Nach Angaben des WWF verbraucht so jeder Deutsche am Tag mehr als 5000 Liter Trinkwasser. Die Hälfte davon wird im Ausland verbraucht. Oftmals in Ländern mit ohnehin großer Wasserknappheit – die Globalisierung ist also auch längst beim Wasserverbrauch angekommen.

Hartwig Streusloff von renommierten Fraunhofer Institut hat auf der Tagung für Internationales Wasserressourcenmanagement (IWRM) am 24. und 25. November diesen Jahres unter anderem Folgende Zahlen zum Verbrauch an Virtuellem Wasser vorgestellt:

1 Kilo Steak             ca. 5000 Liter

1 Kilo Zucker           ca. 3000 Liter

T-Shirt                    ca. 23.000 Liter

PKW                        ca. 450.000 Liter

Weiterführende Informationen zum Thema finden sich auf der Seite der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz und auf der Seite des World Wide Fund For Nature (WWF)

Gefrorene Positionen – aufgeheizter Planet – Cancún 2010

Seit Montag letzter Woche läuft die UN-Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancún. Bis Freitag wollen sich die Umweltminister auf ein Folgeabkommen zum Kyoto-Protokoll geeinigt haben. Die „heiße Phase“ der Verhandlungen hat damit begonnen. Ob es zu einem greifbaren Ergebnis und nicht nur zu schwammigen Absichtserklärungen kommen wird, scheint allerdings fraglich. Zu stark sind die Einzelinteressen von Schwellenländern, wie China und den Spitzenreitern im pro-Kopf-Energieverbrauch – den USA, um sich auf klare Klimaziele zu einigen.

Fraglich ist allerdings auch, ob die Konferenz die richtigen Ziele verfolgt.

Wenn das Wort „Klimawandel“ fällt, folgt nahezu unvermeidlich der Begriff „CO2“. Der Ausstoß des Treibhausgases ist mittlerweile regelrecht zum Synonym des „Bösen“ geworden. Zum Inbegriff der Umweltzerstörung. Und so steht auch in Cancún wieder die Reduzierung des Ausstoßes des allseits bekannten Kohlendioxid wieder im Mittelpunkt der Debatten.

 

Tausendfach stärker: Die Liga der künstlichen Klimakiller

Doch CO2 ist beileibe nicht das einzige Treibhausgas, dass zur Erderwärmung führt. Und es ist vor allem auch eins der schwächsten. Zwar ist sein Anteil mit drei Vierteln am Gesamtausstoß an Treibhausgasen bei weitem am höchsten, aber Treibhausgase, wie beispielsweise Methan, das hauptsächlich durch landwirtschaftliche Produktion verursacht wird, immerhin noch einen Anteil von 15 % hat, ist mehr als 20-mal Klimaschädlicher als CO2.

Noch dramatischer sind die Unterschiede bei Industriell hergestellten, künstlichen Treibhausgasen. Spitzenreiter hier ist Schwefelhexafluorid (SF6), das ein fast 24.000 mal stärkeres Treibhausgas ist, als das „natürliche“, durch Verbrennungsprozesse freiwerdende CO2.

Andere Treibhausgase in der Liga der künstlichen Klimakiller sind Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs, bis zu 11.700 mal schädlicher) und Perlfluorkarbone (PFCs, bis zu 9200 mal schädlicher als CO2).

Insgesamt hat diese Gruppe zwar „nur“ einen Anteil von ca. 2,4 % am Gesamtausstoß an Treibhausgasen, aber ihr Klimaerwärmungspotential ist gewaltig. Manche dieser Gase – wie die PFCs – bleiben darüber hinaus bis zu 10.000 Jahre in der Atmosphäre – CO2 dagegen nur etwa 50 bis 200 Jahre.

 

Ein Abkommen der veralteten CO2-Welt: das Kyoto-Protokoll

Karlson Hargroves fordert daher in seinem Buch Buch „Faktor 5 – Die Formel für nachhaltiges Wachstum“, das er zusammen mit Ernst Ulrich von Weizsäcker geschrieben hat, dass „jegliche Strategie zur Emmissionsminderung ein ernsthaftes Augenmerk auf diese Gase legen muss.“

Das Kyoto-Protokoll hinkt da der Entwicklung deutlich hinterher. 1997 – im Jahr seiner Verabschiedung – wurden viele dieser künstlichenTreibhausgase noch nicht in nennenswerten Mengen produziert. Doch neue Technologien – Hargroves nennt dabei besonders Flachbildschirme – haben diese Treibhausgase enorm zunehmen lassen.

Die Politik ist daher in Zugzwang, will sie verhindern, dass ihre mühsam abgerungenen Kompromisse nicht vollends vergebens sind. Die Welt braucht eine dringende Neuausrichtung in der Debatte um Klimakiller. So verführerisch das Konzentrieren auf den CO2-Ausstoß auch ist, so irreführend ist dieser Weg.

Die EU hat dies immerhin erkannt und plant, die künstlichen Klimakiller ab 2013 in den Emmissionshandel aufzunehmen.

Die Zahlen zur Klimaschädlichkeit, sowie die Anteile der jeweiligen Treibhausgase stammen aus dem bereits erwähnten Buch „Faktor 5“, dass sich wiederum auf die „Energy Information Administration“ und auf die IPCC bezieht.

Jetzt gehöre ich also auch zu den Bloggern. Fühlt sich noch ein bischen ungewohnt an, das Ganze, aber jetzt – nachdem ich mich durch Registrierung, Designwahl und Einstellungen durchgeklickt habe, deren Bedeutung sich mir hoffentlich noch erschließen wird, gefällt’s mir hier schon recht gut! 🙂

Ich werde mich hier in regelmäßigen Abständen über all die Dinge auslassen, die ich interessant, kurios oder einfach nur wichtig finde. Die Auswahl der Themen ist natürlich vollkommen subjektiv. Daher auch der Name meines Blogs. Unnötige Selbstdarstellung wird dabei trotzdem nach Kräften vermieden.